Es war mitten im Dezember, Orangina saß allein zu Hause und schaute fern. 

Ganz einfach, nur ein Dasein, ohne Lernen, ohne Kontakt. 

Die Kerzen formten ein schönes Schattenspiel an die weiß gestrichene Wand, an welcher die Halterung für den neuen schwarzen Kasten war, welche ein Gerät trug, das unsinnige Sendungen über unzählige Kanäle in die Wohnzimmer der Menschen sendete. 

Doch dank heutiger Technik war Orangina nicht den allgemeinen Sendern ausgesetzt. Netflix und co ermöglichten ihr Filme und Dokumentationen nach ihrer Wahl zu schauen, zumindest wird es so suggeriert. 

Dann eine Klingel, ein kurzes Zucken durch ihren Körper gepaart mit dem Gedanken, ob sie so tun sollte, dass sie nicht daheim sein. 

Wer um diese Uhrzeit will denn jetzt noch was von ihr? 

Wer würde sich es jetzt noch wagen zu klingeln? 

Ein wenig erschrocken schaute sie auf ihre Uhr, es war erst halb acht, die Dunkelheit hatte ihre zeitliche Vorstellung verschwimmen lassen. 

Sie sah durch die Kamera ihrer Klingel und es stand Kurkumi da, ein langjähriger Freund und Gefärhte, ein Weltenbummler, ein Freigeist, ein liebenswerter Mensch in ihrem Leben. 

Obwohl ihr Make-up schon längst die Oberfläche ihres Gesichts verlassen hatte, sie nicht in ihrem besten Cocktailkleid war, machte sie auf. 

Freudig erzählte er, dass er gerade in der Gegend war und beide erkannten, dass sie sich immer treffen sollen, wenn es das Universum ihnen vorgibt. 

Geplante Treffen platzen meist, spontan war immer das beste und auch das, was beiden im Gedächtnis blieb. 

Schnell zauberte sie ihm ein kleines Abendmahl, sie liebte es zu kochen und es bedeutet für sie pure Lebensfreude, wenn sie Personen ein gesundes, buntes und energiereichen Menü zaubern darf. 

Beide verloren sich in stundenlangen Geschichten, in Erzählungen über die letzten Monate. Sie verfielen in einen Gedankenaustausch über Erlebnisse, Momente und zukünftige Projekte, bis Kurkumi auf einmal sagte: „Schau, es schneit. Frisch und leicht.“ 

Nicht lange brauchte er, bis er sie überredete noch einen Spaziergang zu machen- Montagabend um 23:45. 

Sie zauberte schnell einen frischen Tee, er holte die Jacken, Schäler und Mützen aus dem Schlafzimmer. 

Nein, er war nicht oft hier, aber er brauchte nie zu fragen, er wusste instinktiv wo alles war. Es verwunderte sie nie, sie vertraute zutiefst. 

Dann ab in die Natur, in die frische, kühle Winternacht. Keine 2 Meter auf frischen Schnee gelaufen, landete eine Flocke direkt auf ihrer Nase und sie fühlte das Leben. 

Beide sahen sich um, es war still, die Straßenlampen formten eine unglaublich schöne Zeichnung in den gerade gefallenen Schnee. 

Noch keine Spuren von Autos, von Menschen, Hunden oder Katzen. 

Es war so rein, so vollkommen ehrlich. Dieser Moment einzigartig und speziell.

Sie gingen Richtung See, schweigend, um mit jedem Schritt das leise Knacksen zu spüren, zu hören und zu fühlen. 

Angekommen am See nahm er ihre Hand. 

Beide standen ohne Worte nebeneinander und schauten auf die wundervolle Oberfläche des Sees, in dem sich die Sichel des Mondes ab und an spiegelte. 

Es war ein Moment, der keine Worte benötigte, der Seelenbalsam war ohne dass man es aussprechen musste. 

„Manche Momente benötigen keine Worte“ so stand es auf einer Karte, welche Orangina ein paar Tage später im Briefkasten fand „ manche Momente benötigen einfach nur das Dasein einer Person, mit der man schweigend die besten Gespräche des Tages hat. In aufrichtiger Dankbarkeit, dein Kurkumi.“