Fenchelo & Anisis

 

Der Wecker klingelt, es ist noch dunkel draußen und klein Fenchelo will gar nicht die Augen aufmachen. 

 

Denn schon seit einigen Stunden plagen ihn grausame Bauchschmerzen. 

Dabei war doch heute der Tag der Tage, ja, heute sollte er die Aufführung machen. 

 

Er, als Hauptrolle in dem Theaterstück, umbenannt auf ihn „Fenchelo & Anisi“. 

Monatelang haben sie geprobt. 

Die Lehrerin fast verzweifelt an der Gruppe halbstarker Jugendliche, welche zwischen Lachkrämpfen und Gnatzen die Szene am Balkon übten. 

 

Doch vor ein paar Tagen wurde es erst, die Kostüme kamen, wunderbar sahen alle aus. 

Noch keine 48 Stunden ist die Generalprobe her, die ein Grauen war. 

 

Doch wie meinte Frau Liebli „Kinder, wer die Generalprobe verpatzt, bekommt umso mehr Applaus bei der Premiere.“ 

 

Und nun, wieder ein Krampf in der Bauchgegend. Langsam sammeln sich kleine Tränen in seinen Augen. Er hatte sich doch so gefreut. Gerade die letzte Szene sah er schon deutlich, der Kuss mit Anisi. 

 

Er versuchte aufzustehen und sah, dass auf dem Flur gerade Licht anging und seine Tür sich leicht öffnete. 

Seine Mama kam mit einem dampfenden Gefäß herein, es roch süßlich, leicht herb. 

„Hier Fenchelo, ich merk doch wenn es meinem Kleinen nicht gut geht.“

Woher sie diese Gabe hat, fragte er sich schon eine ganze Zeit. 

 

Doch er wusste auch, dass all ihre Zauberei half- wie auch immer. 

 

Nur düstern Frieden bringt uns dieser Morgen;

Die Sonne scheint, verhüllt vor Weh, zu weilen.

Kommt, offenbart mir ferner, was verborgen:

Ich will dann strafen, oder Gnad‘ erteilen;

Denn niemals gab es ein so herbes Los

Als Anisis und ihres Fenchelos.“

Voller Stolz, die Hand Anisis in seiner, verbeugen sich alle Schauspieler, während der Vorhang fällt und das Publikum im Applaus versinkt.